Bewertung | Empfehlung | Kriterien

Im Fleischratgeber sind Fleischsorten und pflanzliche Alternativen nach ihrer Herkunft (Region) und den dort üblichen Produktionsbedingungen nach den Kategorien Klima, Artenvielfalt, Überdüngung, Pestizide, Antibiotika und Tierwohl eingestuft. Daraus ergibt sich eine Gesamtempfehlung, die wir in 4 Stufen eingeteilt haben: Greif zu, in Maßen, lieber wenig, Finger weg.

Allgemein lässt sich sagen, dass die Kriterien BIO imd REGIONAL in jedem Fall einen sehr positiven Einfluss auf die Produktionsbedingungen und deren Umweltwirkung haben. Dennoch ist ganz klar: Fleisch sollte nur bewusst und in Maßen konsumiert werden. Nur bei den pflanzlichen Alternativen können wir eine klare Empfehlung zum Zugreifen geben. Auch hier raten wir eindeutig zu Bioprodukten.

Klima

Dieses Kriterium betrachtet die Klimabelastung – also den CO2 Fußabdruck – die durch die Herstellung der jeweiligen Fleischsorte entsteht.

Bei der Produktion von Düngemitteln und Pestiziden, dem Einsatz von landwirtschaftlichen Maschinen und dem Transport von Produkten wird Energie eingesetzt und Treibhausgase freigesetzt. Auch Wiederkäuer selbst tragen durch die Entstehung von Methan im Magen zur Klimabelastung bei.

Der CO2-Fußabdruck wird in der Gesamtmenge der Treibhausgase wie Kohlendioxid und Methan ausgedrückt, in sogenannten Kohlendioxidäquivalenten (CO2eq). Dessen Berechnung berücksichtigt den gesamten Lebenszyklus des Produkts.

So bewertet der Fleischratgeber die Auswirkung von Fleisch auf das Klima:

  • Grün: weniger als 4kg CO2eq / kg Produkt
  • Gelb: 4-14 kg CO2eq / kg Produkt
  • Rot: mehr als 14 kg CO2eq / kg Produkt

Eutrophierung  – Überdüngung von Gewässern

Der Fleischratgeber betrachtet das Eutrophierungspotenzial der unterschiedlichen Fleischsorten. Als zentraler Indikator wird der Nährstoff Phosphor verwendet.

Eutrophierung – also die Überdüngung von Gewässern oder Böden –  bezeichnet die Anreicherung mit Nährstoffen, die dort normalerweise nicht vorkommen. Das geschieht etwa, wenn landwirtschaftliche Nutzflächen intensiv gedüngt werden und der überschüssige Dünger in die nahen Gewässer gerät. Etwa 80% der marinen Ökosysteme weltweit sind von Eutrophierung betroffen.

Durch den erhöhten Nährstoffeintrag werden Meere, Seen und Flüsse enorm beeinträchtigt. Bakterien und Mikroorganismen wachsen viel schneller und stärker als verträglich und verbrauchen den im Gewässer vorhandenen Sauerstoff. Ein sichtbares Zeichen von Eutrophierung ist z.B. das unkontrollierte Wachsen von Algen und z.B. Schlingpflanzen im Wasser. Im Extremfall kann das Gewässer auch „kippen“, was ein Fischsterben nach sich zieht. Um ein eutrophes Gewässer wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen, braucht es oft viele Jahre.

Gelangen Nährstoffe wie Phosphor oder Stickstoff in unser Grundwasser, entsteht auch ein gesundheitliches Problem für den Menschen. Werden Grenzwerte überschritten, ist das Grundwasser nicht mehr trinkbar.

So bewertet der Fleischratgeber das Eutrophierungspotenzial:

  • Grün: es werden weniger als 15g PO4/kg Produkt freigesetzt
  • Gelb: es werden 15-60g PO4/kg Produkt freigesetzt
  • Rot: es werden mehr als 60g PO4/kg Produkt freigesetzt

Antibiotika

Antibiotika sind Medikamente, die zur Behandlung bakterieller Erkrankungen bei Menschen und Tieren eingesetzt werden. Besonders in der konventionellen Fleischproduktion sind Antibiotika notwendig, um viele Tiere auf engstem Raum möglichst gesund zu halten. Fast 40% aller eingesetzten Antibiotika werden in der Nutztierhaltung eingesetzt.

Doch Bakterien können sich anpassen und Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln. Als Folge verlieren die Medikamente allmählich ihre Wirkung. Dies ist nicht nur für die tierische, sondern auch für die menschliche Gesundheit eine große Herausforderung, denn resistente Bakterien lassen sich nur mehr schwer behandeln und können zu lebensbedrohlichen Situationen führen.

Der Fleischratgeber bewertet, wie verantwortungsvoll Antibiotika eingesetzt werden und wie ihr Einsatz kontrolliert wird. Der Fleischratgeber beurteilt nicht die Menge der eingesetzten Antibiotika, oder die Antibiotikarückstände in Fleischprodukten.

  • Grün:
    • Kein Antibiotikaeinsatz zur Wachstumsstimulierung
    • Antibiotika nur von einem Tierarzt verabreicht
    • Detaillierte Aufzeichnungen des Antibiotikaeinsatzes
    • Bei wiederkehrendem Einsatz von Antibiotika wird eine Untersuchung eines Tierarztes eingeleitet und korrigierende Maßnahmen umgesetzt oder Einschränkungen bezüglich der Behandlungshäufigkeit und der Wartezeiten führen zu einer Verringerung des Antibiotikaeinsatzes.
  • Gelb:
    • Kein Antibiotikaeinsatz zur Wachstumsstimulierung
    • Antibiotika werden nur von einem Tierarzt verabreicht
    • Detaillierte Aufzeichnungen des Antibiotikaeinsatzes
  • Rot:
    • Alles andere

Artenvielfalt

Global betrachtet werden 70 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche der Erde beansprucht, um tierische Produkte herzustellen – Tendenz steigend. Folgende Bereiche haben enormen Einfluss auf die Artenvielfalt, sie fließen in den Fleischratgeber ein:

  • Flächenverbrauch

Je mehr Fleisch konsumiert wird, desto mehr landwirtschaftliche Fläche wird für den Anbau von Futtermittel verbraucht. Unser Planet ist aber bereits übernutzt, um neue Flächen zu generieren müssen also wertvolle ursprüngliche Wälder und Grasland zerstört und in kultivierte Felder umgewandelt werden.

2.) Soja als Futtermittel

Soja spielt in der Tierfütterung eine wichtige Rolle, es wird fast überall eingesetzt. Dabei stammt es häufig aus Ländern wie Brasilien, Argentinien und Paraguay. Dort gehen durch die rücksichtslose Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen für den Sojaanbau jährlich riesige Gebiete an wertvollen Regenwäldern oder waldreichen Savannen, die Heimat für viele seltene Tier- und Pflanzenarten sind, für immer verloren.

3.) Haltungsbedingungen

Bei Weidehaltung schaffen Nutztiere durch ihr Fressverhalten und ihre Bewegung wertvolle Lebensräume für andere Tiere und Pflanzen und erhalten damit die Artenvielfalt.

So bewertet der Fleischratgeber die Auswirkung von Fleischproduktion auf die Artenvielfalt:

  • Grün: Die Produktion beeinflusst die Biodiversität positiv durch Weidehaltung oder der Landverbrauch liegt unter 5m²/kg Produkt. Es wird ausschließlich zertifiziertes Soja (RTRS, Proterra, Donausoja, biologische Standards) und GVO-freies Futter eingesetzt.
  • Gelb: Zertifiziertes oder gentechnikfreies Soja wird im als Futtermittel verwendet, oder die Produktion erfolgt nach biologischen Standards
  • Rot: Unzertifiziertes Soja und gentechnisch verändertes Soja wird als Futtermittel verwendet.

 

Pestizide

Pestizide werden in der Lebensmittelproduktion zur Bekämpfung von Schädlingen und Unkräutern eingesetzt, auch bei Futtermitteln für Nutztiere. Der übermäßige oder nachlässige Einsatz von Pestiziden fördert das Insektensterben und ist damit eine Bedrohung für die weltweite Nahrungsmittelproduktion. Denn etwa 80% unserer Nutzpflanzen sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. In der biologischen Landwirtschaft ist der Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden verboten.

So bewertet der Fleischratgeber den Einsatz von Pestiziden:

  • Grün: keine Pestizide werden eingesetzt oder Systeme, die den Pestizideinsatz stark einschränken. Akzeptiert: ökologischer Landbau
  • Gelb: weniger als 1,5g aktive Substanz/kg Produkt wird in der Produktion eingesetzt
  • Rot: mehr als 1,5g aktive Substanz/kg Produkt wird in der Produktion eingesetzt

Tierwohl

Für die Bewertung von Fleisch und Fleischprodukten ist das Tierwohl vor allem aus ethischer Sicht ein bedeutendes Kriterium. Dafür wurde eigens ein wissenschaftlicher Kriterienkatalog, gemeinsam mit der Swedish University of Agricultural Sciences (SLU) und dem Forschungsinstitut für Biologsichen Landbau (FiBL) erstellt. Diese beinhalten Tiergesundheit, die Haltungsbedingungen sowie den Zugang zu Weide/Auslauf.

  • Grün:
    • Tiergesundheit: ist gegeben
    • Haltungsbedingungen: eine artgerechte Fütterung und Umgebung ist gegeben
    • Natürliches Verhalten: Zugang zu Weide/Auslauf ist gegeben
  • Gelb:
    • Tiergesundheit: ist gegeben
    • Es bestehen Mängel in den Haltungsbedingungen oder Zugang zu Weide/Auslauf ist nicht gegeben
  • Rot:
    • Tiergesundheit: ist mangelhaft oder
    • Es bestehen Mängel in den Haltungsbedingungen und Zugang zu Weide/Auslauf ist nicht gegeben

Quellen des WWF Fleischratgebers

Der WWF stützt sich als wissenschaftsbasierte Natur- und Umweltschutzorganisation auf die neuesten Erkenntnisse der internationalen Forschung. Die Methodik des Ratgebers basiert auf den Publikationen von E. Röös, insbesondere der Veröffentlichung „Röös E, Ekelund L, Tjärnemo, H (2013): Communicating the Environmental Impact of Meat Production: Challenges in the Development of a Swedish Meat Guide. Journal of Cleaner Production.“ Die Analyse der österreichischen Produkte führte das  Forschungsinstitut für biologischen Landbaus (FiBL) durch.