FAQ

Wieso fordert der WWF nicht einen Verzicht jeglicher tierischer Produkte? Das wäre ja im Hinblick auf Umwelt, Gesundheit und Tierwohl am sinnvollsten.

Ja, aus Umweltsicht wäre es am sinnvollsten, weitgehend auf tierische Produkte zu verzichten. Wir wollen jedoch einen Weg aufzeigen, der für den/die DurchschnittsösterreicherIn tatsächlich machbar ist. Für viele ist der Schritt von 63 kg Fleisch pro Jahr auf gänzlich vegetarische oder vegane Ernährung einfach zu groß. Es kann für die Umwelt aber auch durch eine Reduktion des Fleischkonsums und ein Umstieg auf umweltschonenderes Fleisch viel erreicht werden.

Der WWF bewertet das Kriterium Tierwohl im Fleischratgeber. Wie kann es sich bei dem Mord von Tieren um Tierwohl handeln?

Das Kriterium Tierwohl gibt nicht an, dass hier kein Tier zu Schaden kommt. Es bewertet lediglich, bei welchem Produktionssystem das geringste Leid im Vergleich zu den anderen verursacht wird. Denn dass es Nutztierhaltung gibt und dabei Tiere zu Schaden kommen, ist eine Realität. Unsere Empfehlung sieht eine Senkung des Fleischkonsums generell, sowie einen Umstieg auf Fleisch vor, welches in der Produktion weniger Leid verursacht.

Der Mensch ist ein Fleischfresser! Wieso sollen wir nun aufhören, Fleisch zu essen? Ist das nicht unnatürlich?

Der WWF setzt sich für eine Reduktion des Fleischkonsums und einen Umstieg auf besseres Fleisch ein, nicht für einen völligen Verzicht. Derzeit liegen wir bei 63 kg pro Person und Jahr, was ein Vielfaches dessen ist, was wir z.B. vor hundert Jahren gegessen haben. Daher könnte man sagen ist es eher unnatürlich, dass wir so viel Fleisch essen.

Wie viel Fleisch ist gesund?

Die Empfehlungen des Gesundheitsministeriums betreffend der Ernährungspyramide lauten durchschnittlich 300-450 g pro Woche. Derzeit liegen wir bei 1,2 kg pro Woche. Aber was genau als gesund gilt, ist für jeden Menschen unterschiedlich. Ein Sportler kann beispielsweise mehr Fleisch ohne gesundheitliche Auswirkungen zu sich nehmen, als ein täglich im Büro sitzender Mensch. Der Einfachheit halber präsentieren wir aber immer die Zahlen der österreichischen Durchschnittsbevölkerung.

Der Fleischratgeber gibt Tofu bei Biodiversität eine grüne Bewertung. Könnte bei der Herstellung nicht auch gentechnikverändertes verwendet werden?

Tofu und andere Sojaprodukte, die in Österreich zum direkten menschlichen Verzehr erhältlich sind, sind garantiert gentechnik-frei. Oft wird das für die Tofuherstellung benötigte Soja auch direkt in Österreich angebaut. In Österreich dürfen keine gentechnisch veränderten Pflanzen angebaut werden.

Der Fleischratgeber gibt Tofu bei Biodiversität eine grüne Bewertung. Wird für Soja nicht Regenwald abgeholzt?

Tofu und Sojaprodukte für den direkten menschlichen Verzehr machen nur einen geringen Anteil der Sojaproduktion aus. Der Großteil wird für die Futtermittelproduktion angebaut. Dabei muss festgehalten werden, dass Soja nicht per se problematisch ist, sondern dass sein Einsatz als Futtermittel sehr ineffizient ist. Für die Erzeugung von einem Kilogramm Fleisch wird – je nach Tierart und Haltungsform – bis zu 16kg Futtermittel benötigt. Das meiste Soja, das in österreichischen Produkten (wie Tofu) verwendet wird, stammt auch aus österreichischem Anbau.

Wieso bewertet der Ratgeber nicht auch Markenprogramme des Einzelhandels wie z.B. Almo oder das Strohschwein?

Fleisch wird in Österreich im Einzelhandel über eine Vielzahl an unterschiedlichen Markenprogrammen vertrieben. Die Kriterien die zu einer bestimmten Bezeichnung führen, sind oft nicht sehr transparent, da es dafür keine unabhängigen Kontrollen gibt. Deshalb bildet der Ratgeber ausschließlich ab, was durch staatliche Gesetzgebung festgelegt und überprüft wird (wie z.B. bei Bio) oder durch unabhängige Stellen zertifiziert wird (wie z.B. „ohne Gentechnik hergestellt“).

Warum ist Wildfleisch nicht im Fleischratgeber abgebildet? Wie steht der WWF zu Wildfleisch?

Der Ratgeber bezieht sich auf jene Fleischsorten, die derzeit in Österreich am meisten konsumiert werden. Wildfleisch ist eine gute Wahl, wenn es aus nachhaltiger jagdlicher Bewirtschaftung stammt, das heißt, dass z.B. nicht mit Kraftfutter zugefüttert wird. Dieses Wild wächst natürlich auf. Daher sind keine Tierhaltung und kein Tierfutter notwendig. Da Wildbret beim Fleischkonsum der ÖsterreicherInnen nur eine untergeordnete Rolle spielt, ist es derzeit nicht im Ratgeber abgebildet.

Der Ratgeber empfiehlt hauptsächlich Bio-Fleisch. Das ist aber viel teurer als konventionelles Fleisch. Wie soll sich das ausgehen?

ÖsterreicherInnen konsumieren 3-mal so viel Fleisch wie nach den Angaben des BMG empfohlen ist. Ein erster Schritt für eine bessere Gesundheit und eine gesündere Umwelt muss daher eine Reduktion unseres ernährungsbezogenen Fußabdruckes sein. Wer weniger Fleisch kauft, kann sich dann auch bessere Qualität – also bio – leisten. Außerdem empfiehlt der WWF, Speisepläne durch gute pflanzliche Proteinquellen wie etwa Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen, Getreide und Sprossen zu erweitern.

Was kann der Einzelhandel bzw. Großhandel oder Unternehmen im Nahebereich Fleisch tun um aktiv zu werden? Wie können sie den Fleischratgeber nutzen bzw. die Tipps anwenden? Wo können sie ansetzen?

Unser Anliegen ist, dass sich Unternehmen in ihrer Einkaufspolitik an den Kriterien des Fleischratgebers orientieren. Das bedeutet, dass sie selbst nur Fleisch einkaufen sollten, welches im Ratgeber grün bewertet wird, oder zumindest rot bewertetes Fleisch schrittweise auszulisten. In einem „Stufenplan“ wäre es als erster Schritt sinnvoll, dass Unternehmen ihre selbst gesteckten Ziele überprüfen und in einem weiteren Schritt Verbesserungen durchführen.

Unternehmen können Vorzeigeprojekte zu nachhaltiger Ernährung ins Leben rufen und tiefgreifende Veränderungen anstoßen, die dann den Ernährungsfußabdruck des Unternehmens insgesamt verbessern.

Es braucht gesetzliche Rahmenbedingungen, damit Handelsunternehmen aufhören, Fleisch rabattiert und billigst zu verkaufen. Daneben muss im Rahmen von Aufklärungskampagnen Bewusstsein für die Wertigkeit von Fleisch erzeugt werden.