Franziska Weisz

…weil unser Fleischkonsum ein genauso machtvoller wie einfacher Schlüssel zu unsereren Umweltroblemen ist.

Weil unser Fleischkonsum ein genauso machtvoller wie einfacher Schlüssel zu vielen unserer heutigen und zukünftigen Probleme ist. Hunger in armen Regionen der Welt, Trinkwasserknappheit, Rodung des Regenwaldes, Klimaerwärmung, Zivilisationskrankheiten und die damit verbundene Überlastung der Krankenkassen, etc.

 

by Franziska Weisz

WWF: Wie ist dein Zugang zum Thema weniger und besseres Fleisch?

Franziska Weisz: Als Kind aß ich alles gerne. Süß, salzig, deftig und am allerliebsten: Fleisch. Schnitzel, Blunz’n, Spaghetti nur, wenn massig Faschiertes drauf war. Mit 13 sah ich an einem Samstagnachmittag eine Doku über Tiertransporte und es war vorbei. Tiertransporte, Gänsestopfleber, ich brach in Tränen aus und hab aufgehört Tiere zu essen. Und bis heute nicht wieder damit begonnen. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich das zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht weniger radikal entschieden hätte, einfach, weil es heute so viele Möglichkeiten gibt, nachhaltiger, ethischer und bewusster Fleisch zu konsumieren. In den Neunzigern war es da noch etwas trüber auf dem Sektor und ich der einzige Vegetarier auf ganz weiter Flur.

 

WWF: Worauf achtest Du beim Einkauf und Verarbeiten von Fleisch?

Franziska Weisz: Es kommt schon vor, dass ich für Gäste Fleisch und Wurst einkaufe und will da die beste Qualität. Schließlich will ich, dass es meinen Gästen schmeckt. Dann achte ich darauf, dass das Fleisch von der Frischetheke regionalen Ursprungs ist und lasse mich beraten. Bei verpackter Ware schaue ich nach, welches Öko-Label draufsteht.

 

WWF: Gab es ein besonderes Erlebnis, das dich für das Thema sensibilisiert hat?

Franziska Weisz: Auch wieder ein Schwenk aus der Kindheit. Als kleines Mädchen hatte ich einen Wirtschaftwälzer meiner Mutter in der Hand. Neben tausend Hieroglyphen stieß ich auf eine Graphik, die ich heute noch nachzeichnen könnte, so faszinierend fand ich sie.

Zwei gleich große Quadrate. Eins mit vielen Getreidesymbolen und vielen Menschen. Eins mit einer Kuh und einer handvoll Menschen. Ich war viel zu klein, um intellektuell zu umreißen, was das genau heißt. Was ich aber irgendwie verstanden habe und viel später bestätigt bekam, war, dass es einen Zusammenhang von Fleischkonsum und gerechter Nahrungsmittelverteilung geben muss. Dass es für viele andere Menschen nicht wurscht ist, ob ich Fleisch oder Getreide esse.

 

WWF: Wie geht es Dir bei dem Thema in der Diskussion mit deinen Mitmenschen/Freunden/Familienmitgliedern?

Franziska Weisz: Oioioi… Es wird besser. Ich als Vegetarier argumentiere da tatsächlich von einem schwierigen Standpunkt, weil Menschen – ich eingeschlossen – keine Einmischung wollen, wenn es um den Inhalt ihres Tellers geht. Wenn ich also von den direkten Auswirkungen eines erhöhten Fleischkonsums spreche, wird das schnell als Bekehrung aufgefasst. Wobei ich genau das nicht will. Es geht hier ja nicht um gute oder böse Absichten.

 

WWF: Ist Dir bewusst, dass Fleischkonsum Auswirkungen auf die Gesundheit hat?

Franziska Weisz: Ja. Unsere Nahrung grundsätzlich. Der Spruch, Du bist, was Du isst, ist so alt, aber einfach durch und durch wahr. Es macht natürlich Sinn, dass wir gegen gewisse Medikamente abstumpfen, wenn wir sie in kleineren Dosen schon regelmäßig mit unserer Nahrung aufnehmen. Es gibt da ja den Witz mit der Hühnersuppe, ob wirklich die gute, alte Hühnersuppe die Grippe heilt oder die Antibiotika im Huhn. Auch die hormonelle Belastung durch Industriefleisch auf unseren Körper ist nicht zu unterschätzen. Diese stecken sogar in der Milch aus industrieller Erzeugung. Ganz abgesehen von alle dem, wird ein Überkonsum von tierischem Fett und Eiweiß immer häufiger mit Herzkreislaufkreislauferkrankungen und Diabetes in Verbindung gebracht. Es macht auch Sinn! Rein historisch betrachtet ist der Mensch wohl kein Vegetarier, er hatte als Jaeger und Sammler aber bestimmt nicht dreimal täglich Fleisch über der Feuerstelle.

 

WWF: Ist Dir bewusst, dass es einen Zusammenhang zwischen der Fleischerstellung und der Umwelt gibt?

Franziska Weisz: Ja. Das ist wohl auch mein Kernthema. Wie schon erwähnt, habe ich als junger Teenager aus reiner Empathie und Tierliebe beschlossen, keine Tiere mehr zu essen. Doch aus dem Gefühl wurde über die Jahre mit allem, was ich an der Uni gelernt und privat recherchiert habe, immer mehr eine Überzeugung. Auf jeder Statistik zu CO2-Emissionen rangiert die Massentierhaltung unter den Top 5. Wir essen jetzt doppelt so viel Fleisch wie vor 100 Jahren, wenn dieser Markt so weiterwächst, wird der CO2-Haushalt wohl hauptsächlich von Fleisch- und Molkereikonzernen bestimmt werden. Seit dem Tiermehlskandal vor ein paar Jahren werden Industrietiere hauptsächlich mit eiweißreichem Soja gefüttert. 80 Prozent des weltweit angebauten Sojas landet also mit dem Zwischenstopp Viehstall auf unseren Tellern, aber nicht als Tofu, sondern als Stück Fleisch. Dieser Umweg steht für einen enormen Ressourcenverbrauch. Hier kommt die Grafik aus meiner Kindheit ins Spiel. Und woher kommt das ganze Soja? Viel davon wird leider in fruchtbaren Gebieten angebaut, die bis vor kurzem noch Regenwald waren, hauptsächlich in Südamerika. Und was ist mit den ganzen Arten, die durch die Rodung des Regenwaldes täglich aussterben? Ein weiteres Thema ist die vielerorts problematische Entsorgung des Dunges und der Abwässer aus Massentierhaltung. Spuren davon wollen wir alle nicht in unserem Grund und Trinkwasser. Und mit dem Thema Wasser komme ich abschließend noch einmal auf unsere Ressourcen. Wieviel Trinkwasser verbrauchen wir täglich? Auf diese Frage bekommt man die lustigsten und unterschiedlichsten Antworten und von den echten Zahlen ist jeder sehr überrascht. Abhängig von Geschlecht, Gehalt, Wohngegend ist man als Vegetarier bei ca.3-4.000 Liter pro Tag. Als regelmäßiger Fleischesser bei bis zu 6000 Litern. Warum? In allem steckt Wasser. In unseren Jeans, unseren Autos, unseren Sofas und besonders in unserer Nahrung. Um ein Kilo Weizen anzubauen, braucht es ca.1.500 Liter Trinkwasser, ein Kilo Rindfleisch hingegen 15.500 Liter, Tag für Tag. Schließlich muss das Tier ja von Geburt bis zum durchschnittlichen Schlachtalter von 3 Jahren essen und trinken. Man spricht da von virtuellem Wasser, das ‚unsichtbare’ Fleisch in unseren Gütern. Fleisch hat also nicht nur einen markanten Ökofootprint, sondern auch einen bemerkenswerten Waterfootprint.

Alles, was wir essen, hat seinen Ursprung irgendwo in unserer Erde. Je mehr Stationen zwischen dem kleinen Keim, der im Erdboden aufgeht und unserem Teller sind, desto aufwendiger und ressourcenintensiver ist der Bissen hergestellt. Die Erde braucht also mehr Energie für ein Kilo Rindfleisch als für einen Kürbis.

Unser Konsumverhalten ist der Schlüssel zu vielen unserer Probleme und deren Lösung. Und nichts konsumieren wir so regelmäßig und unaufhörlich wie Nahrung.

WWF: Hast Du im Laufe Deines Lebens mal mehr mal weniger Fleisch gegessen und falls ja, warum?

Franziska Weisz: Weniger als jetzt – nein J

 

WWF: Wie stehst Du zu Fleischersatzprodukten?

Franziska Weisz: Ich brauche keine Fleischersatzprodukte. Das klingt so, als müsse man so tun, als hätte man Fleisch auf dem Teller, damit es einem schmecken kann. Wir befinden uns zurzeit in der glücklichen Lage, dass so viele Köche und Restaurants unheimlich gute fleischlose Rezepte entwickeln, dass es nicht nur in Sachen Nährwert, sondern auch beim Geschmackserlebnis an nichts fehlt. Ich finde sogar, dass die herkömmliche Küche von dem Vegan-Hype enorm profitiert, weil viele Gewürze und Zutaten mit großem Einfallsreichtum neu kombiniert und verfeinert werden. Ich esse viel und gerne und habe bestimmt noch nicht alle Anwendungsmöglichkeiten von Seitan oder einem Karfiol durchprobiert. Und es muss ja nicht einmal exotisch sein. Vieles aus der österreichischen Hausmannskost ist vegetarisch, weil man es sich bis vor 30-40 Jahren einfach nicht leisten konnte, den Luxus Fleisch täglich auf der Gabel zu haben.

 

WWF: Was hat Dich zum Engagement im Rahmen der Initiative „Fleisch ist uns nicht wurscht“ bewegt?

Franziska Weisz: Ich freue mich ausgesprochen über diese Initiative und, dass sich so wundervolle Menschen wie Sarah, Tobias und Robert, wohlgemerkt keine Vegetarier, für nachhaltigen und gesunden Fleischgenuss engagieren. Ich gehe fest davon aus, dass kein Mensch absichtlich gerne der Umwelt, seinen Mitmenschen und sich selbst schadet. Deshalb finde ich es toll, dass diese Initiative nicht belehren, sondern informieren will. Ich glaube, dass es viele Menschen gibt, die genau dasselbe wollen wie wir. Achtsamerer Umgang mit Ressourcen, Nachhaltigkeit, Gesundheit für uns selbst und unsere Umwelt. Deshalb ist es so wichtig, unser alltägliches Verhalten unter die Lupe zu nehmen und die Konsequenzen unseres Handelns zu erkennen. Ich denke, dass es einen Unterschied macht, wenn man weiß, dass für mein Stück Fleisch Regenwald gerodet und viele weitere als nur das eine Tier sterben mussten. Wenn man weiß, dass es einen Zusammenhang zwischen CO2 Emissionen und einem billigen Burger gibt. Beim Autofahren und Fliegen wissen wir es ja auch und entscheiden bewusst zwischen Bahn und Flugzeug. Unsere täglichen, kleinen Handlungen machen den Unterschied, nicht der eine große Verzicht. Ich finde schön, dass diese Initiative darauf hinweist, wie man nicht mit unbedingtem Verzicht, sondern mit mehr Genuss und Bewusstsein etwas Gutes bewirken kann.

 

WWF: Hast Du Tipps oder auch interessante Links zum Thema Fleischkonsum?

Franziska Weisz: Zum Thema Virtual Water bzw. Waterfootprint:
Ich habe das alles bei diesem Herrn hier gelernt: https://www.kcl.ac.uk/sspp/departments/geography/research/impact/allanwater.aspx
Das Konzept ist hier gut erklärt: www.waterfootprint.org – da kann man auch den eigenen Verbrauch im Assessment Tool errechnen.
Zur menschlichen Gesundheit gibt es Doku Klassiker wie Folk over Knife oder Cowspiracy, die wohl etwas reißerisch, aber auf diese Art doch zugänglich für viele sind.

Kurzportrait Franziska Weisz

Die gebürtige Wienerin Franziska Weisz hatte von Klein auf den Wunsch, Schauspielerin zu werden. Und so kam es: sie spielte in Ulrich Seidls „Hundstage“ (1999) bevor sie ihr Studium der Entwicklungs- und Umweltpolitik am King’s College in London abschloss. Während des Studiums nahm sie verschiedene kleine Rollen an, um danach mit Jessica Hausners „Hotel“ ganz in den Schauspielerberuf einzusteigen. Der Film feierte 2004 Premiere in Cannes und brachte Franziska Weisz bei der darauf folgenden Berlinale 2005 die Auszeichnung „European Shooting Star“ ein. Seither brilliert sie in diversen nationalen sowie internationalen Film- und Fernsehproduktionen im Kino und Fernsehen und ist seit 2016 ausserdem als Tatort-Kommissarin an der Seite von Wotan Wilke Möhring zu sehen. Neben der Liebe zum Film schlägt ihr Herz für Musik. Mit ihrer Band „Jawoi“ tritt sie jährlich kurz vor Weihnachten in Wien auf und begeistert als Rockröhre das Publikum. 

 

Franziska Weisz lebt in Berlin. Seit ihrem 13. Lebensjahr ist sie Vegetarierin. Ihr Auto hat sie verkauft und fährt zu jeder Gelegenheit mit dem Rad. Sie setzt sich damit auseinander, Konsumverhalten zu hinterfragen und achtet darauf, auf wessen Kosten die Dinge produziert werden, die sie verbraucht. Der Schauspielberuf bietet ihr eine Plattform und Stimme. Beides nutzt sie gerne, um solche Dinge zu besprechen, die über Filminhalte hinaus gehen. 

In ihrem Umfeld wird sie auch gerne mal als Elfe mit Riesenherz und wunderbar mitreißender Räuberlache bezeichnet.