Martina Ebm

…weil wir uns selbst beschummeln, wenn wir vakuumverpacktes Billigfleisch kaufen, ohne darüber nachzudenken, wie ein Tier gelebt hat oder stirbt.

Jeder soll so essen was er/ sie es für richtig hält, aber im richtigen Maß! Ich selbst lebe seit einem halben Jahr fleischlos, weil ich es nicht vertreten kann, dass ein Lebewesen für meinen Genuss stirbt. Kein Fleisch zu essen hat für mich ethische, aber auch ökologische Gründe, denn in den Industrienationen wird viel zu viel Fleisch gegessen, mit allen Nachteilen für die Umwelt.

 

by Martina Ebm

WWF: Wie ist dein Zugang zum Thema weniger oder besseres Fleisch?

Martina Ebm: Ich habe über die Jahre immer drauf geachtet, welches Fleisch zu Hause zubereitet wird. Auch für meine Kinder kaufe ich – selten, aber doch – Fleisch vom Biobauern, um sicher zu gehen, dass wir qualitativ hochwertige Nahrung bekommen. Darauf achte ich aber auch beim Gemüsekauf.

 

WWF: Worauf achtest du beim Einkauf oder Verarbeitung von Fleisch?

Martina Ebm: Für mich zählt in erster Linie die Herkunft. Noch lieber ist es mir, wenn ich den bäuerlichen Betrieb kenne und weiß wie die Tiere leben und welche Einstellung der Bauer, die Bäuerin zu seinen, ihren Tieren hat. Was mich sehr beschäftigt, sind die Auswirkungen industrieller Landwirtschaft auf unsere Umwelt und unser Klima, schließlich sollen unsere Kindern und Kindeskinder einen lebenswerten Planeten vorfinden.

 

WWF: Gab es ein besonderes Erlebnis, dass dich für das Thema sensibilisiert hat?

Martina Ebm: Ja, denn in den letzten Jahren habe ich mich immer öfter gefragt, ob ich selbst ein Tier töten könnte, um es danach zu essen. Und die Antwort war eigentlich immer: Nein. Und der Fleischverzicht war die Konsequenz daraus, denn wir beschummeln uns selbst, wenn wir vakuumverpackte Schnitzel kaufen, ohne darüber nachzudenken, wie ein Tier stirbt.

 

WWF: Wie geht es dir bei dem Thema in der Diskussion mit deinen Mitmenschen/Familienmitgliedern/ Freunden?

Martina Ebm: Grundsätzlich möchte ich nicht missionieren. Ich wünsche mir nur mehr Bewusstsein dafür, dass Tiere Lebewesen sind, die artgerechte Lebensbedingungen brauchen. Meiner Meinung nach ist das ein Minimum an Respekt, das wir dem Tier schulden.

Deswegen ist es schon ein großer Gewinn, wenn sich immer mehr Menschen fragen ob und wie ihre tierische Nahrung aufwächst. Vielen Menschen ist es gar nicht bewusst, wie viel sie bewirken könnten, wenn sie seltener Fleisch essen oder ganz darauf verzichten würden. Wo steht geschrieben, dass wir täglich Fleisch essen müssen?! Jahrhunderte lang war das nicht so und in viele Kulturen, siehe Indien, leben Millionen Menschen fleischlos ohne dass dies ein großes Thema wäre.

WWF: Ist es dir bewusst, dass Fleischkonsum Auswirkungen auf die Gesundheit hat?

Martina Ebm: Industriell verarbeitetes Fleisch ist schlecht für den Körper und übermäßiger Konsum davon fördert zahlreiche Krankheiten, das kann man in hunderten Artikeln und Studien nachlesen. Das ist vor allem für junge Menschen, die auf Fertigpizza und Fast Food abonniert sind, ein Damoklesschwert. Denn was heute vielleicht gut schmeckt, wird morgen zum Problem für einen gesundes Alterungsprozess.

 

WWF: Ist es dir bewusst, dass es einen Zusammenhang zwischen Fleischherstellung und der Umwelt gibt

Martina Ebm: Ja natürlich, es gibt ja immer mehr Dokumentationen dazu. Intensive tierische Landwirtschaft ist der Wasserverbraucher Nummer 1. Die tierische Lebensmittelproduktion erzeugt mehr Treibhausgase als der ganze Transportsektor, so hört man. Und dann noch die Waldrodungen für Futtermittel! Das alles zusammen haben mich bewogen, ganz auf Fleisch zu verzichten.

 

WWF: Hast du im Laufe deines Lebens mal mehr oder mal weniger Fleisch gegessen, und falls ja warum?

Martina Ebm: Als Studentin gehörten Kebab und Pizza zu meiner täglich Billignahrung – ohne viel Nachdenken. Das hat sich mittlerweile völlig geändert. Je mehr man darüber nachdenkt, je mehr man liest, desto sensibler wird man für das Thema Fleisch. Daher unterstütze ich die WWF-Aktion gegen unreflektierten Fleischkonsum. Wir können alle bei uns selbst beginnen, etwas für unseren Planeten zu tun.

Kurzportrait Martina Ebm

Martina Ebm wurde am 24. Februar 1982 in Wien geboren und wuchs in Mondsee auf. Nach der Matura studierte sie Theater-, Film- und Medienwissenschaften. In ihrer Diplomarbeit beschäftigte sie sich mit dem Thema „Die Amerikanisierung der Schauspieltheorie Stanislawskis durch Sanford Meisner“. Schon während der Studienzeit spielte Martina Ebm an diversen Off-Theatern und absolvierte die paritätische Bühnenreifeprüfung.

Seit Herbst 2014 ist sie Ensemblemitglied am Theater in der Josefstadt.
Ihr Debüt an der Josefstadt feierte Martina Ebm als Kathi in “Der Zerrissene”. Ebenfalls in der Josefstadt spielte Martina Ebm unter anderem die Rolle der Sabina Spielrein in “Eine dunkle Begierde”, ein Mädchen in Thomas Bernhards “Am Ziel”, Inken Peters in “Vor Sonnenuntergang” und Fritzi in „Anatol“ oder “Eve” in All about Eve um ein paar davon zu nennen.

Darüber hinaus ist Martina Ebm auch in diversen Kino- und TV-Rollen zu sehen, zuletzt in „Die Vorstadtweiber“ (Regie: Sabine Derflinger, Harald Sicheritz), „Manie“ (Regie: Lior Babadostow), „Clara Immerwahr“ (Regie: Harald Sicheritz) „Bad Fucking“ (Regie: Harald Sicheritz),  oder in “Dennstein und Schwarz” (Regie: Micky Rowitz)